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Warum stehst du morgens auf?

mareikebibow
28. Sept. 2020
2 Min. Lesezeit

Es ist ein paar Jahre her. Ich habe mich dabei beobachtet, wie ich mich morgens aus dem Bett gequält habe und, irgendwann im Büro angekommen, ich auf den Fluren meines damaligen Arbeitgebers entlang geschwankt bin, als hätte ich Sekundenkleber unter meinen Schuhsohlen. Nach ein paar Wochen, ich erinnere mich daran sehr genau, habe ich an meinem Arbeitsplatz gesessen und gedacht: „Das geht so nicht weiter. Ich werde noch krank.“ Einen offensichtlichen Grund gab es nicht. Ich hatte eine Aufgabe, einen netten Chef, das Gehalt stimmte und privat war ich sogar noch im Status „verliebt“. Aber es ging so nicht weiter. Auf bewusster Ebene habe ich die nächstliegende Option gewählt: mich um eine neue berufliche Perspektive gekümmert.


Völlig ohne Zusammenhang und unbewusst habe ich mit meiner Morgenroutine begonnen. Ich trinke eine halbe frische Zitrone mit Honig und mache 20 Minuten Yoga. Jeden Morgen, seit 3 Jahren. Danach trinke ich meinen Lieblingskaffee. Das mache ich auch heute noch so. Damals habe ich die Zeit genutzt, einfach aus dem Fenster zu starren. Allein die Auseinandersetzung mit einer neuen beruflichen Perspektive half eine Weile. Ich spürte wieder Lust, morgens aufzustehen. Es dauerte noch viele Monate, bis ich das Büro endgültig verlassen habe und seitdem als Beraterin und Coach arbeite.


Natürlich war ich auch in den letzten Jahren manchmal morgens müde. Aber den Sekundenkleber spürte ich nicht mehr. Ich fühlte mich auf einem guten Weg- bis Corona in unser Leben kam. Der Lockdown. Eine enorme Müdigkeit überfiel mich und ich ließ sie die ersten zwei Wochen zu. „Es darf sein“, wie die Coach so gerne sagt. Ich hatte einiges an Verlusten und Veränderungen angesammelt und dachte, es ist in Ordnung, wenn ich jetzt einfach nur schlafen möchte. Dann tauchte die Erinnerung an den Sekundenkleber wieder auf. Das war der Anstoß, meine Antwort auf die Frage: „Warum stehst du morgens auf?“ dieses Mal intensiver und bewusster zu suchen. Oder, um es mit Viktor Frankl zu sagen: „Der Sinn des Lebens besteht darin, dem Leben Sinn zu geben.“ Oder: ich suchte mein IKIGAI.


„Ikigai kommt aus dem Japanischen. Wie mit vielen anderen japanischen Wörtern, fällt es uns auch bei diesem schwer, es mit einem einzigen Wort zu übersetzen. Iki meint Leben oder lebendig und gai (kai) bedeutet die Erfüllung dessen, was wir uns erhoffen. Die Übersetzungen für ikigai variieren dann von Wofür es sich zu leben lohnt bis das, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen. Gerne wird es auch als ein Begriff für den Sinn des Lebens oder das Wort Lebenssinn genutzt.“ (Justus Kirschstein: Ikigai. 10 Fragen, mit denen du deine Berufung findest.)


Seit dieser Zeit bin ich bekennende Frühaufsteherin! Es heißt nicht, dass ich früh mit der Arbeit beginne! Bevor meine Kolleginnen oder Klienten mich sehen, ist mein Tag schon ein paar Stunden alt. Die Suche nach meinem IKIGAI war und ist ein intensiver Prozess. Aber dazu bald mehr. Also, warum stehst du morgens auf?


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