Ikigai - eine Entdeckungsreise
Gibt man "ikigai" im Internet ein, erscheinen zuerst die mittlerweile recht berühmten vier Kreise. Es ist ein klassischer Ausdruck davon, wie eine östliche Lebenshaltung oder vielleicht sogar Philosophie eine westlich-pragmatische Form bekommen hat. Nicholas Kemp hat diese Konstruktion dargestellt - dazu später mehr. Er distanziert sich wie viele Autoren, die sich mit ikigai beschäftigen, von den vier Kreisen.
Aber was bietet das Modell, das es sich offensichtlich so gut verbreiten konnte?

Mich hat es sofort zum Nachdenken angeregt: Was mache ich denn gerne? Was kann ich eigentlich gut? Was braucht die Welt? Nur die Frage, wofür ich bezahlt werde, ließ sich für mich recht leicht und schnell beantworten. Das Modell verbindet diese vier Fragen zum ikigai. Es postuliert also, wenn alle vier Bereiche gut gelebt werden, bin ich zufrieden, lebe im Einklang.
Die Unterteilung in verschiedene Kreise hat bei mir erst einmal Erleichterung ausgelöst: Aha, vielleicht darf das, was ich gerne mache, etwas anderes sein, als das, was ich besonders gut kann. Vielleicht kann ich auch für etwas bezahlt werden, was wenig damit zu tun hat, was ich gerne mache - und trotzdem Zufriedenheit in meinem Leben erfahren. Es ist ein Modell, dass ich persönlich als einen Abschied von dem idealen Traumberuf verstanden habe, den ich finden muss. In dem ich das tue, was ich liebe und gleichzeitig davon leben muss. Es öffnet ziemlich viele Möglichkeiten des „sowohl-als-auch“ und schafft damit viele Lösungswege für mein persönliches Leben. Juhu!
Schwer getan habe ich mir mit der Frage danach, was die Welt braucht. Brauchen ist ein ziemlich starkes Wort, so wie müssen oder sollen. Dieser Kreis macht deutlich, dass wir auch soziale Wesen sind und eine Verantwortung gegenüber unserer Umwelt haben. Sicherlich erfahren die meisten Zufriedenheit, wenn sie das Gefühl haben, etwas zu tun, was die Welt braucht. Aber wer kann das schon beurteilen? Mir fiel eine Karte von karindrawings ein: Die Welt braucht deine Zärtlichkeit. Ja, so niedrigschwellig geht es auch. Ich muss nicht den Regenwald retten, auch wenn ein Teil von mir das gerne täte, um etwas wirklich sinnvolles zu tun.
Die vier Kreise geben Impulse dafür, warum ich morgens gerne aufstehe - oder auch dafür, welcher Bereich vielleicht in letzter Zeit zu kurz gekommen ist. Habe ich einen Job, um Geld zu verdienen, kann ich besonders darauf achten, neben dem Beruf genug von dem zu tun, was ich liebe. Manchmal ist das ganz schön herausfordernd, die Tage scheinen eh ziemlich kurz und auch die Energie ist eine begrenzte Ressource.
Mit dieser westlichen Adaption im Gepäck geht es los: Was ist denn nun der Ursprung von ikigai und haben die vier Kreise damit etwas zu tun?



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