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Ikigai - 10 Fragen, mit denen du deine Berufung findest (von J. Kirschstein). Gedanken zur Lektüre.

mareikebibow
29. Dez. 2020
2 Min. Lesezeit

Eine Antwort auf die Frage zu finden, warum es sich lohnt, morgens aufzustehen, ist nicht einfach. Ich glaube, für die meisten Menschen stellt sich diese Frage meistens gar nicht. Wir stehen auf, weil die Mutter sonst gleich morgens einen Streit beginnt, wir bei der Vorlesung nicht schon wieder fehlen dürfen, das Kind schreit, es die einzige Möglichkeit ist, die Wohnung noch für sich und damit ein paar Minuten Ruhe zu haben. Wir stehen auf, weil wir feste Arbeitszeiten haben oder noch Croissants bei Bäcker abbekommen wollen. Manchmal ist das Leben auch besonders nett und gibt uns einen charmanten Grund, länger im Bett zu bleiben.


Erlebe ich meinen Alltag hingegen als einzige Routine, mir fehlt der Sinn oder der Esprit, ich bin erschöpft oder müde, irgendetwas scheint aus dem Gleichgewicht, dann drängt sich morgens die Frage vielleicht auf.

Vielleicht auch gar nicht als Frage, vielleicht ist es ein ziemlich uncharmantes „Es macht eh keinen Unterschied, ob ich jetzt aufstehe“ oder „Sollen die doch mal sehen, wie sie ohne mich zurechtkommen“. In Erinnerung an die vier Kreise des westlichen Ikigai-Modells wäre es vielleicht ein Impuls zu fragen, was man denn gerne tun würde. Wie der Tag trotz allem schön sein könnte, zumindest für einen Moment. Justus Kirschstein setzt mit seinem Buch „ Ikigai: 10 Fragen, mit denen du deine Berufung findest“ zwei Schichten tiefer an und löst sich damit von seinem eigenen Titel. Es geht um viel mehr als „Berufung“.


Anhand von verschiedenen Fragen bietet er der Leserin die Möglichkeit, erst ihr abstraktes, dann das sogenannte konkrete ikigai zu erforschen. Er führt dabei in die Vergangenheit zu den Dingen, die wir früher schon einmal sehr gerne getan haben, und zwar so gerne, dass wir dabei die Zeit vergessen haben und bietet Anlass darüber nachzudenken, was wir in der Zukunft gerne tun würden. Tiefer geht noch die Erforschung der eigenen Glaubenssätze und daraus folgend die bewusste Entwicklung der eigenen Werte. Justus Kirschstein regt dazu an, diese Impulse zur eigenen Geschichte, Entwicklung und den eigenen Träumen als Schreibanlässe zu verarbeiten.


Besonders schön fand ich, dass Kirschstein davon ausgeht, dass wir unser Ikigai in uns tragen und daher können auch nur wir es entdecken. Er hat zu dem westlichen Kreis-Modell kritisch angemerkt, dass Ikigai auch in etwas in Erscheinung treten kann, das die Welt nicht braucht (zumindest nicht direkt) und auch in etwas, wofür du nichts zurückbekommst.


Letztlich finde ich es sehr herausfordernd, diese Fragen für sich alleine zu beantworten. Ein Coaching, das unterstützend mit Bodenankern oder Traumreisen arbeitet, kann den Prozess wirklich nachhaltig unterstützen - das ist zumindest meine Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin.


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